Sagenhaftes im Fichtelgebirge
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Fichtelgebirge

Natürliche Faszination in Franken

Weißenstadt im Nebel

Sagenhaft gut

Legenden über das Fichtelgebirge - Seelenspiel Folge 1

Sowohl Gestein als auch Wasser und Luft sind heutzutage bestens erforscht und in eindeutigen Zahlen abzuhandeln – ebenso wie man die Elemente jederzeit auf einer Entdeckungstour mit allen Sinnen erleben kann. Doch dies ist nicht das einzige spannende „Wissen“ über das Fichtelgebirge! Denn bei uns finden Sie eine außerordentlich lebendige Sagenwelt – die in dieser Art ihresgleichen sucht.

Wenn Sie gerne die eine oder andere Geschichte bei ihrer Wanderung austauschen wollen, dann stöbern Sie doch einfach mal in unserer Auswahl an den alten überlieferten Legenden, die zum Teil so unvorstellbar scheinen wie einige die Geschichte des Fichtelgebirges!

Aus dem Hochland des Fichtelgebirges

Nebel im Fichtelgebirge

Der sonderbare Zwerg auf dem Schlossberg

Vor vielen Jahren lebte auf dem Schlossberg von Thierstein ein Zwerglein, das in der Gegend durch allerhand Streiche bekannt war. Nächtliche Wanderer, die sich in die Nähe des Schlosses wagten, wurden plötzlich mit einem Sand- und Steinregen überrascht. Wenn die so erschrockenen Personen dann Hals über Kopf das Weite suchten, hörten sie hinter sich den Kobold schallend lachen.

Häufig ging der sonderbare Zwerg aber auch in die Häuser, die in der Umgebung des Schlosses lagen und foppte die Menschen dort mit seinen merkwürdigen Umtrieben. Die Leute hörten den Gnom zwischen dem Geschirr rumoren, aber nie ging irgendetwas zu Bruch. Außerdem hatte der Zwerg großen Gefallen daran, den Menschen ihr wichtigstes Lebensmittel, nämlich das Brot, zu verstecken und Langschläfern rückte er damit zu Leibe, dass er sie unsanft an den Haaren aus dem Bett zog. Die Mägde der Bauern neckte der sonderbare Geselle am liebsten am Brunnen.

Weil er außer seinen ungewöhnlichen Scherzen aber niemandem ernsthaft schadete, im Gegenteil er oft beim Verrichten der Hausarbeit tatkräftig zur Hand ging, hatte man den Zwerg überall gern.

Als eines Tages zufällig ein Feilenhauer, der die Kenntnis im Bannen von Geistern und Kobolden besaß, an dem Schloss vorbei kam, fing er den Zwerg ein und trug ihn fort. Noch lange haben die Thiersteiner ihrem sonderbaren, neckenden Gesellen nachgetrauert.

Aus dem Steinacher Vorstock

Kösseine Abendstimmung

Die tote Grenzsteinrückerin

Vor vielen Jahren ging eine Frau zusammen mit ihrem zwölfjährigen Sohn Hans von Neuwerk bei Warmensteinach nach Sophiental. Mit dem Kind hatte es eine besondere Bewandtnis: Der Junge war an einem goldenen Sonntag geboren und hatte deshalb die Fähigkeit, die Geister Verstorbener zu sehen.

Auf ihrem Weg nach Sophiental kamen Mutter und Sohn auch an der Schneiderswiese vorbei, die an den Staatswald grenzte. Mit einem Mal blieb das Kind stehen, deutete in Richtung Schneiderswiese und sagte zu seiner Mutter:

„Schau nur, dort drüben auf dem Grenzstein sitzt die verstorbene Schneidersjule. Wie zu Lebzeiten hat sie ihren Korb auf dem Buckel. Und jetzt läuft sie zum nächsten Grenzstein und setzt sich dort nieder.“

Es war ein heller, sonniger Tag und obwohl die Mutter in die angegebene Richtung schaute, konnte sie nichts Ungewöhnliches entdecken. Dennoch war die Frau von den Worten ihres Buben derart beunruhigt, dass sie die seltsame Geschichte später den Leuten in Sophiental erzählte.

Auf diese Weise erfuhr auch der Förster von dem sonderbaren Erlebnis des Jungen. Schon öfters hatte er von den Alten des Ortes schlimme Dinge von der Schneidersjule gehört. Diese soll zu Lebzeiten Grenzsteine an der Schneiderswiese versetzt haben, nur um ein paar Fichten mehr auf ihr Grundstück zu bekommen. Jetzt war der Förster hellhörig geworden. Das unheimliche Erlebnis des Buben und die Behauptungen der Alten, die Grenzen an der Schneiderswiese würden nicht stimmen, veranlassten den Forstmann, eine neue Vermessung des betroffenen Gebietes bei der Regierung zu beantragen.

Dem Antrag wurde stattgegeben und bei der Überprüfung der Grenzsteine stellte sich tatsächlich heraus, dass die Vermutungen der Sophientaler ihre Richtigkeit hatten.

Noch oft kam der kleine Hans an der Schneiderswiese vorbei, aber der Geist der alten Schneidersjule erschien ihm nie mehr wieder.

Süd- & Westrand des Fichtelgebirges

Abendstimmung über Marktredwitz

Die Goldgrotte bei der Königsheide

Am Westhang der Königsheide, bei Nemmersdorf, lebte einst ein armer Köhler. Seinen Meiler betrieb er auf den Höhen der nahen Königsheide.

Es war an einem Johannisabend, als der Köhler wieder einmal zu seinem Meiler stieg, um den Luftzug, der für die Verkohlung des Holzes wichtig war, zu prüfen. Auf einer Waldwiese fand er an diesem Abend eine wunderschöne Blume, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Er pflückte sie und steckte sie sich an den Hut. Mit einem Mal war seine Umgebung völlig verändert. Es sah eine wundersame Grotte, aus der pures Gold glänzte. Gleichzeitig hörte er eine anmutige Stimme: „Du hast die Grottenblume der Königsheide gefunden. Gib gut auf sie acht und trenne dich nie von ihr. Mit der Blume kannst du in jeder Vollmondnacht Gold aus der Grotte holen, so lange es dir beliebt.“

Erschrocken von dem Geschehen sah sich der Köhler um, betrat dann aber trotzdem mit zitternden Knien die Höhle. Erfreut von dem glitzernden Reichtum griff er nach den Goldkörnern, und als sein Lederbeutel fast voll war, wurde er von einer unsichtbaren Kraft aus der Grotte geschoben. Im selben Moment war die Höhle verschwunden.

Beim nächsten Vollmond bestieg der Köhler wieder die Königsheide, fand die Grotte erneut und fasste sich wieder einen Beutel voll Gold. So machte er es ein ganzes Jahr und schließlich hatte der ehemals arme Köhler eine stattliche Menge an Gold beisammen. Dieses verkaufte er in der Stadt an einen Goldschmied. Leichtfertig erzählte er ihm, auf welch einfache Weise er zu dem Reichtum gekommen war. Der Goldschmied wunderte sich nicht, wusste er doch, dass der Köhler an einem Goldenen Sonntag geboren war und deshalb mit den Wächtern der Schätze in Verbindung treten konnte.

Bald hatte der Köhler so viel Reichtum angesammelt, dass er ans Heiraten dachte. Die hübsche Tochter eines reichen Steigers aus der Umgebung sollte seine Frau werden.

Zur selben Zeit wollte auch der Ritter von der Königsheide heiraten und ließ von dem Goldschmied in der Stadt edle Geschenke für seine Braut fertigen. Dieser erzählte dem Ritter, woher er das überaus feine Gold habe und wie der junge Köhler dieses gewinne.

Das Wissen um dieses Gold erweckte in dem Edelmann Neid und Habgier. Er ging zu dem Köhler und dieser erzählte dem Ritter bereitwillig die Geschichte. Auch führte er ihn zu dem Ort, an dem sich die Grotte auftut. Als der Köhler jedoch dem anderen die Wunderblume zeigte, riss sie der Ritter an sich und gab sie nicht mehr zurück. Von diesem Zeitpunkt an holte der Edelmann von der Königsheide in jeder Vollmondnacht die Schätze aus der Grotte. Seine Habgier trieb ihn jedoch so weit, dass er dem armen Köhler die Augen ausstechen ließ, damit dieser den Weg zum Platz der Grotte nicht mehr finden konnte.

Trotz des Unglücks, das über ihn hereingebrochen war, heiratete die Steigerstocher den Köhler. Nach Jahren gingen beide in einer Vollmondnacht auf die Königsheide, um ihren Kohlenmeiler zu kontrollieren. Mit einem Mal sah die junge Frau, wie jemand im Berg verschwand. Danach wurde die Gegend von einem Donnerschlag erschüttert und Fontänen von Feuer schlugen aus dem Boden. Eine gewaltige Stimme erhob sich dröhnend und sprach: „Gold ist Segen, Gold ist Tod.“ Von dieser Nacht an wurde der Ritter, der die Geister des Berges beleidigt und betrogen hatte, nie mehr gesehen.

Von einem ungewissen Gefühl getrieben, zog es den Köhler am nächsten Johannistag hinauf zu der Stelle, an der seine Frau den Ritter hatte verschwinden sehen. Nach einer kurzen Weile hörten sie die liebliche Stimme, die einst dem Köhler erklungen war:
„Goldgier nahm dein Augenlicht,
Wer zum andern Mal mich bricht,
Geb’ ich wieder sein Gesicht.“

An der Stelle, an der die Stimme erklungen war, bemerkte die Köhlerin eine herrliche, weiße Blume, die sich aus dem Grün der Umgebung abhob. Sie führte Ihren Mann ohne zu zögern zu der Blume, lenkte seine Hand an den Stängel und der Köhler brach die Pflanze. Im selben Moment schrie er freudig auf, so dass es über die ganze Königsheide hallte. Er hatte sein Augenlicht wieder. Die Goldgrotte blieb von nun an für immer verschlossen, doch der Köhler und seine Frau führten durch ihrer Hände Arbeit ein glückliches und zufriedenes Leben.

Ostrand Fichtelgebirge

Sonnenuntergang im Nebel

Die vier Köhler vom Silberhaus

Das Handwerk des Köhlers war anstrengend und gefahrvoll und brachte meist nur kärglichen Verdienst. So lebten einmal vier Köhler zusammen in einer armseligen Behausung bei ihren Meilern in der Nähe des Silberhauses.

Als sie eines Tages nach mühevoller Arbeit totmüde in ihre Betten fielen, wurden sie durch ein sonderbares Geräusch an ihrem wohlverdienten Schlaf gehindert. Vor ihrer heruntergekommenen Bretterhütte polterte es, als ginge es nicht mit rechten Dingen zu.

Die vier lauschten in die Dunkelheit und keiner wagte sich zunächst auch nur ein Sterbenswörtchen zu sagen. Dann brach der eine das Schweigen: „Horcht, da kommt was!“, raunte er seinen Freunden zu. Tatsächlich erkannten auch die anderen, dass sich irgendetwas langsam der alten Köhlerhütte näherte.

Es dauerte nicht lange, da wurde die in ihren Angeln ächzende Tür geöffnet und eine bucklige Waldfrau betrat die Hütte. Die vier Köhler waren aus Furcht bis zum Hals unter ihre Bettdecken gekrochen. Die unheimliche Besucherin sah sich in der armseligen Behausung um und fasste nach den verschiedensten Gegenständen. Schließlich begann sie mit einer Stimme, die den Köhlern einen Schauder über den Rücken jagte, zu murmeln: „Lauter Köpfe und kein Gebein! Lass mir’s nur meinem Urahnl sag’n, dass er mir beim Abnag’n hilft!“ Dann verschwand die Alte, so schnell sie erschienen war.

Als sie sich in Sicherheit glaubten, standen die vier Männer rasch aus ihren Betten auf und liefen, so schnell es in der Dunkelheit eben ging, durch die Steinloh nach Hause.

Einer der Köhler verstarb acht Tage nach diesem unheimlichen Ereignis. Von da an blieben auch die anderen nachts nicht mehr in der alten Köhlerhütte am Silberhaus.

Von der Luisenburg

Burg

Die vier Köhler vom Silberhaus

Das Handwerk des Köhlers war anstrengend und gefahrvoll und brachte meist nur kärglichen Verdienst. So lebten einmal vier Köhler zusammen in einer armseligen Behausung bei ihren Meilern in der Nähe des Silberhauses.

Als sie eines Tages nach mühevoller Arbeit totmüde in ihre Betten fielen, wurden sie durch ein sonderbares Geräusch an ihrem wohlverdienten Schlaf gehindert. Vor ihrer heruntergekommenen Bretterhütte polterte es, als ginge es nicht mit rechten Dingen zu.

Die vier lauschten in die Dunkelheit und keiner wagte sich zunächst auch nur ein Sterbenswörtchen zu sagen. Dann brach der eine das Schweigen: „Horcht, da kommt was!“, raunte er seinen Freunden zu. Tatsächlich erkannten auch die anderen, dass sich irgendetwas langsam der alten Köhlerhütte näherte.

Es dauerte nicht lange, da wurde die in ihren Angeln ächzende Tür geöffnet und eine bucklige Waldfrau betrat die Hütte. Die vier Köhler waren aus Furcht bis zum Hals unter ihre Bettdecken gekrochen. Die unheimliche Besucherin sah sich in der armseligen Behausung um und fasste nach den verschiedensten Gegenständen. Schließlich begann sie mit einer Stimme, die den Köhlern einen Schauder über den Rücken jagte, zu murmeln: „Lauter Köpfe und kein Gebein! Lass mir’s nur meinem Urahnl sag’n, dass er mir beim Abnag’n hilft!“ Dann verschwand die Alte, so schnell sie erschienen war.

Als sie sich in Sicherheit glaubten, standen die vier Männer rasch aus ihren Betten auf und liefen, so schnell es in der Dunkelheit eben ging, durch die Steinloh nach Hause.

Einer der Köhler verstarb acht Tage nach diesem unheimlichen Ereignis. Von da an blieben auch die anderen nachts nicht mehr in der alten Köhlerhütte am Silberhaus.

Waldstein bis Kornberg im Fichtelgebirge

Aussichtsturm auf dem WaldsteinDie wohltätige Jungfrau vom Waldstein

Ein armer Schäfer hütete täglich die Herde seines Herren in der Nähe des Waldsteins. Jedes Mal um die Mittagszeit verließ ihn sein Hund und kehrte nach einiger Zeit, sichtlich satt und deshalb manchmal auch zu träge für seine Arbeit, zu ihm zurück.

Eines Tages wollte der Schäfer der Angelegenheit auf den Grund gehen und verfolgte das Tier durch die Felsen des Waldsteingipfels. Schließlich fand er den Hund in einer Höhle wieder. Dort stand eine ganz in Weiß gekleidete junge Frau, die den Schäferhund fütterte.

Als das Mädchen den Schafhirten bemerkte, verklärte sich ihr Blick und sie bat: „Bitte erlöse mich durch einen Kuss von dem bösen Fluch, der mich hier an diese Höhle kettet.“

Da das Mädchen von überirdischer Schönheit war, fiel es dem Schäfer nicht schwer, ihm den Wunsch zu erfüllen. Freudig nahm er sie in die Arme und erlöste sie durch einen intensiven Kuss von ihrem Bann.

Daraufhin nahm ihn die Jungfrau bei der Hand und führte ihn tiefer in die Höhle, bis zu einer Stelle, an der eine Truhe stand, die von einem schwarzen Hund bewacht wurde. Dann gab sie dem Schäfer eine eiserne Lilie in die Hand und sagte zu ihm: „Diese Blume ist der Schlüssel zu der Truhe. Er wird dir auch die Pforte des Waldsteins öffnen. Alle Tage darfst du drei Griffe in die Truhe tun, mehr nicht, sonst bleiben dir die Schätze für immer verschlossen. Und vor allem: Erzähle niemandem von unserer Begegnung.“ Mit einem sanftmütigen Lächeln verabschiedete sich das hübsche Mädchen und verschwand.

Daraufhin ging der Schäfer auf die Truhe zu. Der bedrohliche, schwarze Hund knurrte zwar furchterregend, dennoch zog er sich in eine Ecke zurück und gab den Weg zu der Truhe frei. Der Schäfer öffnete die Kiste und glaubte seinen Augen kaum, denn sie war gefüllt mit Goldstücken. Drei Hand voll und nicht mehr, so wie ihm die hübsche Frau geraten hatte, steckte er sich in die Taschen und verließ die Grotte.

Dies machte er von nun an alle Tage und bereits nach kurzer Zeit war der arme Schäfer so reich, dass er bei seinem Herrn kündigte und nach Sachsen ging, wo er glücklich und zufrieden lebte. Die eiserne Lilie, die ihm die Hübsche gegeben hatte, bewahrte er jedoch sorgfältig auf.

Eines Tages erzählte der ehemalige Schäfer nach einem fröhlichen Gelage im Wirtshaus leichtfertig von der Begebenheit auf dem Waldstein. Als er am nächsten Tag nach der Lilie sah, war diese verschwunden.
   

Quelle:

Harald und Willy Herrmann: „Geister, Ritter, Fabelwesen“.
Eine sagenhafte Reise durchs Fichtelgebirge, Heinrichs-Verlag 2006